Guten Tag, Froschhausen! Auch heute noch eine Sonderausgabe für dich, dieses Mal aus Hainburg im Kreis Offenbach. Es geht um das Simeonstift, die Pflegeeinrichtung in Klein-Krotzenburg. Wir erzählen dir, wie sie vor über sechzig Jahren entstanden ist, wer dahintersteckte, wie sie über Jahrzehnte gewachsen ist, und was es mit dem Wohngebiet auf sich hat, das seit einigen Jahren auf einem Nachbargrundstück geplant wird. Und wir sagen dir ganz ehrlich, was wir dazu nicht mit Sicherheit herausfinden konnten.
Ein Pflegeheim mit langer GeschichteDas Agaplesion Simeonstift liegt in Klein-Krotzenburg, einem Ortsteil von Hainburg im Kreis Offenbach. Heute ist es ein vollstationäres Pflegeheim mit über hundert Plätzen. Aber die Geschichte dahinter beginnt nicht mit einem Pflegeheim, sondern mit einem Mann, der eigentlich Drogerien betrieb, und sie beginnt auch nicht mit einem Heim, sondern mit einer Kirche.
Der Stifter Hermann KaiserHermann Kaiser war gebürtiger Württemberger, Kaufmann und tief gläubiger Protestant, ein sogenannter Pietist. In Frankfurt betrieb er zwei Drogerien, die im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen zerstört wurden. Danach quartierte man ihn und seine Familie im Haus Waldfrieden in Hainburg ein. Dort suchte er regelmäßig andere evangelische Christen auf, die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ebenfalls neu zugezogen waren, und lud sie zu Gottesdiensten und Veranstaltungen ein. Aus dieser Gemeinschaft, die er über Jahre zusammenhielt, wurde neunzehnhunderteinundsechzig eine eigenständige Kirchengemeinde. Kaiser selbst ist in Hainburg begraben, sein Grabstein steht bis heute.
Erst die Kirche, dann das HeimBevor es Geld von offizieller Seite gab, hat Kaiser selbst vorgestreckt: fünfzigtausend D-Mark aus eigener Tasche, damit ein Bauplan von Studenten der TH Darmstadt umgesetzt werden konnte. Samstag für Samstag trommelte er evangelische Männer für die Arbeit auf der Baustelle zusammen. An Himmelfahrt neunzehnhundertzweiundfünfzig wurde der Grundstein gelegt, ein Jahr später der erste Gottesdienst gefeiert. Parallel dazu entwickelte Kaiser eine zweite Idee: ein Feierabendhaus für Menschen im Ruhestand.
Dreißig Bungalows für den RuhestandNeunzehnhundertneunundfünfzig begann in Klein-Krotzenburg der Bau eines Feierabendhauses für ältere Menschen, die ihren Lebensabend in Ruhe verbringen wollten. Errichtet wurden dreißig Bungalows und das Hans-Giebner-Haus, zusammen Wohnraum für einhundert Senioren. Im Mai neunzehnhundertvierundsechzig feierte man Richtfest, im Dezember desselben Jahres die Eröffnung. Fünf Jahre später, neunzehnhundertneunundsechzig, starben sowohl Hermann Kaiser als auch Pfarrer Hans Giebner, der Mann, dessen Namen bis heute eines der Häuser trägt.
Woher der Name Simeonstift kommtVielleicht hast du dich gefragt, woher der Name eigentlich stammt. Die Antwort steht sogar als Kunstwerk vor Ort: ein Relief zeigt Simeon, wie er im Tempel dem kleinen Jesus begegnet. Das ist eine Geschichte aus dem Lukasevangelium. Der alte Simeon hatte die Zusage bekommen, er werde nicht sterben, bevor er den versprochenen Retter gesehen hat, und als er das Kind schließlich im Tempel trifft, kann er in Frieden gehen. Für ein Haus, in dem Menschen ihren Lebensabend verbringen, ist das ein durchaus passender Namensgeber.
Drei Jahrzehnte WachstumDas Heim wuchs stetig weiter. Neunzehnhundertzweiundsiebzig entstand das Hermann-Kaiser-Haus für achtundvierzig Bewohner, mit einem Andachtsraum im Keller; neunzehnhunderteinundneunzig wurde es zum vollstationären Pflegehaus umgebaut. Sechs Jahre nach seiner Eröffnung, neunzehnhundertachtundsiebzig, kam ein eigenes Gebäude für Kulturraum und Cafeteria dazu, damit die Bewohner einen Ort zum Zusammenkommen hatten. Neunzehnhundertdreiundachtzig eröffneten dann gleich zwei weitere Bausteine auf einmal: das Wilhelm-Möller-Haus für sechzig Bewohner und ein Reha-Zentrum mit eigenem Bewegungsbad.
Anschluss an einen großen KonzernZweitausendneun verkaufte der Evangelische Gemeinschaftsverband Hessen-Nassau seine Beteiligung an der Simeonstift GmbH an den Hessischen Diakonieverein. Der ging mit seiner Betreibergesellschaft, der HDV gemeinnützige GmbH, zweitausendzehn unter das Dach des christlichen Gesundheitskonzerns Agaplesion. Seitdem heißt die Einrichtung Agaplesion Simeonstift.
Kompletter Neubau am KaiserwäldchenWeil die alten Häuser nicht mehr zeitgemäß und teils baufällig waren, entschied sich der HDV für einen kompletten Neubau auf dem Gelände am sogenannten Kaiserwäldchen. Zweitausendacht wurde das Graf-Zinzendorf-Haus mit achtundvierzig vollstationären Plätzen eingeweiht, danach zogen die alten Bungalows aus und wurden abgerissen. Im August zweitausendzehn folgte der Grundstein für ein neues Pflegeheim mit einhundertsechzehn Plätzen, eröffnet im April zweitausendzwölf. Die alten Häuser aus den Sechziger- bis Achtzigerjahren wurden geschlossen. Die feierliche Einweihung des kompletten Neubaus fand am sechsten Juni zweitausendzwölf statt, achtzehn Tage später öffnete das neue Haus zum ersten Mal seine Türen für einen Tag der offenen Tür. Und im August desselben Jahres wurde beim traditionellen Sommerfest gleich mit gefeiert: zehn Jahre unter dem Dach von Agaplesion.
Was seither dazukamZweitausendvierzehn bekam das Simeonstift einen Erlebnisgarten und feierte im selben Jahr, mit einem großen Jubiläumssommerfest, sein fünfzigjähriges Bestehen. Zweitausendneunzehn nahm ein beschützter Wohnbereich für gerontopsychiatrische Pflege mit dreiundzwanzig Plätzen den Betrieb auf, gedacht für Menschen mit Demenz. Zweitausendvierundzwanzig, sechzig Jahre nach der ersten Eröffnung, beging die Einrichtung ihr sechzigjähriges Jubiläum mit einer eigenen Jubiläumswoche.
Wichtig: eine zweite, andere GeschichteUnd jetzt kommt der Teil, bei dem wir genau hinschauen müssen. Was wir dir bisher erzählt haben, war die eigene Modernisierung des Simeonstifts auf seinem eigenen Gelände, abgeschlossen zweitausendzwölf. Seit zweitausendneunzehn läuft aber ein zweites, komplett getrenntes Verfahren: ein neues Wohngebiet auf einer Fläche südlich der Pflegeeinrichtung. Das sind nicht die alten Bungalows von eben, sondern ein eigenes Grundstück mit alten, jahrzehntelang leerstehenden Baracken.
Was dort geplant istFür dieses Gebiet musste der Regionalplan Südhessen geändert werden, zunächst für rund zwei Hektar. Die Gemeinde Hainburg trieb parallel einen eigenen Bebauungsplan voran. Vorgesehen sind barrierefreie, energieeffiziente Gebäude für Senioren und für junge Familien, ein Teil davon als sozialer Wohnungsbau. Gleichzeitig wurde die bestehende Pflegeeinrichtung mit ihrem Erweiterungsbau planungsrechtlich abgesichert. Am ersten Juli zweitausendzwanzig hat die Verbandskammer des Regionalverbands FrankfurtRheinMain die Planänderung endgültig beschlossen.
Streit um Wiese und ZufahrtDie Sache war politisch nicht unumstritten. Die Grünen wollten rund dreitausendachthundert Quadratmeter Wiese im südlichen Teil der Fläche erhalten, ihr Antrag wurde abgelehnt. Später ging es um die Erschließung: SPD, die Wählergruppe BFH und die Grünen wollten den Kapellenweg und einen anschließenden Feldweg ausbauen, um das neue Wohngebiet von hinten zu erschließen. Die CDU lehnte das mit ihrer Mehrheit ab und setzte stattdessen auf eine verkehrsberuhigte Erschließung über die vorhandenen Straßen. Anwohner, Naherholungssuchende und das Simeonstift selbst hatten sich für genau diese Variante ausgesprochen, unter anderem, weil die andere Strecke direkt an einer Kita und einem Wohnheim der Behindertenhilfe vorbeigeführt hätte.
Was wir nicht mit Sicherheit sagen könnenUnd jetzt der ehrliche Teil. Ob und an wen die Gemeinde die eigentliche Umsetzung des Wohngebiets inzwischen vergeben hat, welcher Bauträger dort baut oder gebaut hat, und wie weit die Bauarbeiten heute tatsächlich sind, das lässt sich aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht mit Sicherheit sagen. Die jüngste Quelle, die wir mit Bezug zum Simeonstift gefunden haben, stammt von Februar zweitausendfünfundzwanzig und geht auf das Wohngebiet gar nicht ein. Über den aktuellen Baufortschritt spekulieren wir deshalb an dieser Stelle nicht.
Was bleibtSechzig Jahre nach dem Richtfest ist aus dem Feierabendhaus eines Frankfurter Drogisten ein modernes Pflegeheim mit über hundert Plätzen geworden, getragen von einem großen Gesundheitskonzern. Und nebenan entsteht, oder ist vielleicht längst entstanden, ein neues Stück Hainburg für Senioren und Familien. Wenn du selbst weißt, wie weit der Bau heute ist, schreib uns gerne, dann tragen wir das nach.
Zum SchlussDas war unsere Sonderausgabe über das Simeonstift in Hainburg. Alle Meldungen zum Nachlesen, alle Quellen und das vollständige Transkript findest du auf froschhausen Punkt info slash news. Morgen früh geht es dann normal weiter mit deinen täglichen News. Diese Ausgabe wurde automatisch erstellt und mit meiner geklonten Stimme eingesprochen.